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Mit Biologie-Studierenden unterwegs im Nistertal – Natur erleben zwischen Muschelschutz, Trittsteinen und Uhu-Beobachtung

An diesem Freitag war eine besondere internationale Wandergruppe im Westerwald unterwegs: Rund 40 Biologie-Studierende der Utrechtse Biologen Vereniging erkundeten gemeinsam mit DWV-Wanderführer® Rainer Lemmer von Typisch Westerwald das Nistertal rund um Stein-Wingert.

Der Tag begann an der Muschelaufzuchtstation der ARGE Nister/Obere Wied e.V., wo die Gruppe von Dr. Meike Koester begrüßt wurde.

 

Dr. Meike Koester, Leiterin der AG Fließgewässerökologie an der Universität Koblenz sowie Projektleiterin „Bachmuschelschutz und Zucht Rheinland-Pfalz“, vermittelte den Studierenden mit einer Präsentation, Videos und vielen Hintergrundinformationen spannende Einblicke in die Arbeit rund um den Schutz der stark gefährdeten Bachmuschel.

 

Dabei ging es nicht nur um die Nachzucht der Tiere, sondern auch um die empfindlichen Zusammenhänge innerhalb eines Fließgewässer-Ökosystems wie der Nister – und darum, wie eng Fischbestand, Wasserqualität, Strömung, Sedimente und Gewässerstruktur miteinander verbunden sind.

 

Im Anschluss erhielt die Gruppe noch einen kurzen Einblick in die Muschelaufzuchtstation selbst, bevor es gemeinsam hinaus ins Nistertal ging.

Die rund 10 Kilometer lange geführte Wanderung führte entlang der Nister, über schmale Naturpfade, zur Hängebrücke bei Flögert und hinauf zur keltischen Wallanlage der Altburg.

Schwierige Bedingungen nach Starkregen

Die starken Regenfälle der vergangenen Tage hatten die ursprünglich geplante Route stark verändert.

 

Schmale Naturpfade waren stellenweise tief aufgeweicht, Wurzeln extrem rutschig und einige Passagen nur noch mit hohem Risiko begehbar.

 

Gerade mit einer Gruppe von 40 Personen wäre die Tour unter diesen Bedingungen nur schwer kontrollierbar gewesen und hätte ein erhebliches Risiko für Stürze oder Verletzungen bedeutet.

 

So musste DWV-Wanderführer® Rainer Lemmer die ursprünglich geplante Strecke schweren Herzens aus Sicherheitsgründen absagen – sehr zum Bedauern vieler Teilnehmender, die sich bereits auf eine besonders abenteuerliche Tour gefreut hatten.

 

Bereits während der Vorwanderung hatte Rainer Lemmer jedoch mögliche Alternativrouten erkundet und mitgedacht, falls Wetter oder Wegezustand kurzfristige Änderungen erforderlich machen sollten.

 

Gerade diese Vorbereitung ermöglichte es, die Wanderung trotz der schwierigen Bedingungen sicher fortzuführen – ohne dabei auf schmale Naturpfade, spannende Passagen und besondere Erlebnisse verzichten zu müssen.

Abenteuer auf dem Naturpfad Weltende - "river crossing"

Über schmale Naturpfade führte die Wanderung zunächst entlang des Naturpfades Weltende bis zu den bekannten Trittsteinen durch die Nister.

 

Normalerweise bereits ein kleines Abenteuer – an diesem Tag allerdings eine echte Herausforderung.

 

Durch das viele Wasser der vergangenen Tage waren einzelne Steine bereits überflutet.

 

Kurz wurde überlegt, die Querung auszulassen und die Route nochmals anzupassen. Doch die Begeisterung in der Gruppe war groß und der allgemeine Tenor:  "Let's do it!"

 

Und so begann ein gemeinsames Abenteuer.

 

Einige Studierende zogen Schuhe und Socken aus, andere balancierten vorsichtig von Stein zu Stein.

 

Ganz trocken blieb dabei nicht jeder – nasse Schuhe und Füße gehörten an diesem Tag einfach dazu.

 

Doch genau diese Momente waren es, die die Gruppe zusammenschweißten.

 

Es wurde gelacht, geholfen, angefeuert und gemeinsam ausprobiert – ein echtes Gemeinschaftserlebnis mitten in der Natur.

 

Aussicht über das „Weltende“

Nach der Querung führte die Wanderung weiter über abwechslungsreiche Naturpfade hinauf zum Aussichtspunkt Weltende.

 

Dort legte die Gruppe eine Pause ein und genoss den weiten Blick über das Nistertal.

 

Unter blauem Himmel und bei Sonnenschein zeigte sich die Landschaft von ihrer schönsten Seite.

 

Das satte Grün der Wälder und Wiesen leuchtete nach den Regenfällen der vergangenen Tage besonders intensiv, während die Nister tief unten hörbar durch das Tal rauschte.

 

Ein besonderer Moment an der Nister

Nach dem Abstieg zurück zum Fluss wartete noch eine besondere Überraschung.

 

Ganz leise führte Rainer Lemmer die Gruppe entlang der Nister zu einem markanten Felsen. Erst nach einiger Zeit entdeckten die ersten Studierenden den gut getarnten Vogel: Ein Uhu (Bubo bubo) hatte dort seinen Nistplatz.

 

Für viele war dies einer der eindrucksvollsten Momente des Tages.

Es dauerte eine ganze Weile, bis alle den hervorragend getarnten Vogel zwischen Felsen und Vegetation ausmachen konnten.

 

Durch die mitgebrachten Ferngläser ließ sich schließlich sogar ein Uhu-Küken erkennen, das sich eng an die Uhu-Mama schmiegte.

 

Renaturierung sichtbar erklärt

Unterwegs gab es immer wieder Erläuterungen von Rainer Lemmer, der nicht nur DWV-Wanderführer® und zertifizierter Natur- und Landschaftsführer ist, sondern auch Mitglied der ARGE Nister/Obere Wied e.V. sowie langjähriger Beobachter und Kenner der Nister.

 

An konkreten Beispielen wurde erklärt, wie ehemalige Mühlgräben wieder geöffnet wurden, wie Kieszugaben und Veränderungen der Strömung die Gewässerstruktur verbessern und warum dies für viele Arten überlebenswichtig ist.

 

Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Nase (Chondrostoma nasus), einer stark gefährdeten Fischart, die als Algenfresser eine wichtige Rolle im Ökosystem der Nister spielt.

 

Die Bestände der Nase in der Nister sind  in den vergangenen Jahrzehnten um weit über 80 % zurückgegangen.

 

Gründe dafür sind unter anderem verbaute oder schwer erreichbare Laichplätze, anthropogene Gewässerverschmutzung sowie Veränderungen der Gewässerstruktur.

 

Auch der Kormoran spielt entlang der Nister eine wichtige Rolle.

 

Durch das mittlerweile teils massenhafte Auftreten der Vögel entsteht zusätzlicher Druck auf die Fischbestände, was insbesondere bei bereits stark gefährdeten Arten wie der Nase problematisch ist.

 

Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Nase (Chondrostoma nasus), einer stark gefährdeten Fischart, die als Algenfresser eine wichtige Rolle im Ökosystem der Nister spielt.

 

Die Bestände der Nase in der Nister sind  in den vergangenen Jahrzehnten um weit über 80 % zurückgegangen.

 

Gründe dafür sind unter anderem verbaute oder schwer erreichbare Laichplätze, anthropogene Gewässerverschmutzung sowie Veränderungen der Gewässerstruktur.

 

Auch der Kormoran spielt entlang der Nister eine wichtige Rolle.

 

Durch das mittlerweile teils massenhafte Auftreten der Vögel entsteht zusätzlicher Druck auf die Fischbestände, was insbesondere bei bereits stark gefährdeten Arten wie der Nase problematisch ist.

Gerade für die Biologie-Studierenden war spannend zu sehen, wie theoretisches Wissen direkt in einer realen Landschaft sichtbar wird.

 

Und obwohl viele der Teilnehmenden selbst Biologie studieren, gab es unterwegs immer wieder neue Perspektiven, regionale Besonderheiten und ökologische Zusammenhänge zu entdecken.

 

Die längste Hängebrücke ihrer Art im Westerwald

Entlang des ehemaligen und heute wieder geöffneten Mühlgrabens führte die Wanderung weiter in Richtung Flögert zur Hängebrücke.

Mit ihren rund 36 Metern Länge gilt sie als die längste Stahlseil-Hängebrücke im Westerwald.

 

Natürlich musste die angegebene Tragfähigkeit von 18 Tonnen von der Gruppe direkt ausprobiert werden – sehr zur Belustigung der Teilnehmenden.

Von dort aus ging es weiter hinauf zur "Altburg", wo bis heute deutlich erkennbare Wallanlagen einer ehemaligen keltischen Siedlung erhalten geblieben sind.

 

Die Anlage wird auf etwa 100 v. Chr. datiert und zeigt eindrucksvoll, wie lange Menschen diese Landschaft bereits nutzen und prägen.

 

Natur verstehen – gemeinsam draußen erleben

Die gesamte Führung fand in englischer Sprache statt – für die internationale Gruppe ebenso selbstverständlich wie für die vielen fachlichen Gespräche unterwegs.

 

Besonders schön war dabei die offene und lockere Atmosphäre innerhalb der Gruppe.

 

Trotz wissenschaftlichem Hintergrund entstand keine „Vorlesung draußen“, sondern genau das, was Typisch Westerwald ausmacht: gemeinsames Erleben,

Beobachten, Entdecken und Verstehen.

 

 

Es wurde unterwegs viel gelacht, diskutiert und gefragt – und gerade diese Mischung aus Fachwissen, Naturerlebnis und Gemeinschaft machte den Tag für viele besonders.

 

 

So fragte ein Teilnehmer unterwegs beispielsweise, ob die großflächig abgestorbenen Fichtenbestände entlang einiger Hänge Folgen eines Waldbrandes seien.

Für viele überraschend erklärte Rainer Lemmer, dass die sichtbaren Schäden überwiegend auf den massiven Borkenkäferbefall der vergangenen Jahre zurückzuführen sind.

 

 

Dabei ging es auch darum, warum sich der Borkenkäfer im Westerwald so stark ausbreiten konnte, welche Rolle Trockenheit und geschwächte Fichtenbestände dabei spielten und wie stark sich die Landschaft der Region dadurch verändert hat.

 

 

Besonders bemerkenswert war dabei, dass selbst die Biologie-Studierenden unterwegs noch neue Perspektiven, regionale Besonderheiten und ökologische Zusammenhänge entdecken konnten.

 

Am Ende verabschiedete sich die Gruppe mit großem Beifall von Wanderführer Rainer Lemmer und bedankte sich für die vielen Informationen und das gemeinsame Erlebnis.

 

Eine Teilnehmerin brachte den Tag schließlich mit einem Satz auf den Punkt:

„Ich bin richtig neidisch darauf, dass du hier wohnst – und hier jeden Tag wandern könntest.“

 

Und genau das beschreibt den Westerwald vielleicht besser als jede Werbung.

Wusstest du schon…?

Die Bachmuschel gehört zu den am stärksten gefährdeten Tierarten in deutschen Fließgewässern.

 

Ihre Larven sind auf bestimmte Fischarten angewiesen, um sich entwickeln zu können.

 

Ohne intakte Gewässer, geeignete Strömungsverhältnisse und gesunde Fischbestände haben sie kaum eine Überlebenschance.

Natur ganz nah

Der Uhu ist die größte Eulenart Europas.

 

Trotz seiner Größe ist er in felsigen Landschaften hervorragend getarnt und tagsüber oft nur schwer zu entdecken.

Typisch Westerwald

Natur entdecken bedeutet manchmal auch, spontan umzudenken. Gerade draußen entstehen oft die besten Erlebnisse nicht trotz schwieriger Bedingungen – sondern genau wegen ihnen.

Raus mit euch!

Das Nistertal rund um Stein-Wingert gehört zu den eindrucksvollsten Flusslandschaften im Westerwald. 

 

Besonders die schmalen Naturpfade, die abwechslungsreiche Gewässerlandschaft und die vielen historischen Spuren machen die Region zu einem besonderen Erlebnis.

 

 

🌿 Typisch Westerwald
Natur entdecken. Geschichte erleben. Gemeinsam wandern.

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Geführte Naturerlebnisse im Westerwald

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